Wie alles begann…
Die Entscheidung zum ernsthaften Versuch, eine Bläserklasse einzurichten, fiel im Ausschuss des Musikvereins Ende des Jahres 2008. Bis dahin war bereits abgeklärt, wer die Bläserklasse leiten würde, dass die Grundschule grundsätzlich bereit sei, mitzumachen und dass der Verein bereit sein würde, viel Geld in dieses neue Projekt zu investieren.
Der Verein sah und sieht in dieser neuen Form der Ausbildung eine gute, wenn nicht sogar letzte, Chance, Nachwuchs für die eigenen Reihen zu gewinnen, nachdem die jahrelang praktizierte Methode mit Blockflötenunterricht, Instrumentalausbildung und Jugendorchester keinen Erfolg d.h. keinen Nachwuchs für die große Blaskapelle gebracht hatte. Die Kinder und Jugendlichen verloren mit der Zeit immer mehr die Lust weiter zu machen und so musste im Sommer 2008 die Jugendkapelle, die „Beinsteiner Newcomers“ mangels Jugendlicher aufgegeben werden.
Das Konzept der Bläserklasse überzeugt durch den Ansatz des Gruppenunterrichts. Alle Kinder sind in etwa gleich alt, gehen gemeinsam in die Schule und sehen sich täglich. So bildet sich eine Gemeinschaft, die zwei Jahre zusammen bleiben wird, die gemeinsam probt, auftritt und lernt. Sie haben alle in etwa den gleichen musikalischen Bildungsstand (einige können bereits Notenlesen und z.B. Flöte spielen). Sicher ist aber, dass alle noch nie ein Blasinstrument gespielt haben und dies in der Bläserklasse gemeinsam lernen werden.
Vorbereitung, Information, Werbung, Anmeldung
Da die
Bläserklasse auf zwei Jahre angelegt ist,
kommen als Teilnehmer ausschließlich Schüler und
Schülerinnen der zweiten und dritten Klasse in Frage. Es galt
also, bei diesen Kindern Interesse zu wecken. So stellte der
Musikverein den beiden ersten und zweiten Klassen in jeweils einer
Schulstunde im Frühjahr die verschiedenen Blasinstrumente vor.
Es gab Informationen zur Tonentstehung und zu den verschiedenen
Bauweisen und die Kinder konnten die Instrumente ausprobieren. Jeder
hatte natürlich bei jedem Instrument einen anderen Erfolg. Bei
manchen klappte es mit den Holzblasinstrumenten ganz gut,
dafür bei den Blechblasinstrumenten weniger, anderen gelang
auf der Querflöte ein passabler Ton dafür quietschte
es bei Klarinette und Saxofon nur.
Die Instrumentenvorstellung in der Schule war ein anstrengender, lauter und spaßiger Vormittag für die Mithelfer aber -und vor allem- eine gute und interessante Schulstunde für die Kinder. Die meisten Lehrer hatten diese Instrumentenvorstellung in ihren Unterricht mit eingebaut sowie vor- und nachbereitet.
Über die
Beinsteiner Ortsnachrichten und Einladungen,
die in den Schulklassen verteilt wurden, lud der Musikverein zu einem
Vorspiel der Bläserklassen aus Kornwestheim ein. Diese Gruppe
bestand aus zwei Jahrgängen, also erstes und zweites Jahr, und
zeigte, was das Orchester nach bestimmter Zeit spielen konnte. Der
Fortschritt des Orchesters lässt sich in verschiedenen Stufen
beschreiben. Zu Beginn spielen alle das Gleiche (abgesehen von der
Tonlage natürlich) also einstimmig und im selben Rhythmus. Die
zweite Stufe besteht darin, dass eine zweite und dritte Stimme hinzu
kommt. Holz und Blech liegen dann z.B. eine Terz auseinander und es
werden Akkorde aufgebaut. In der dritten Stufe unterscheiden sich dann
noch die Rhythmen. Es gibt dann eine Melodiestimme, Begleitung und
evtl. sogar noch eine Nebenmelodie.
Seit diesem Vorspiel der Kornwestheimer am 13. Juni bestand die Möglichkeit, sich als Teilnehmer für die Bläserklasse in Beinstein anzumelden. Als Anmeldeschluss wurde der Beginn der Sommerferien Ende Juli festgesetzt.
Bei allen
Informationsveranstaltungen wurde darauf
hingewiesen, dass die Bläserklasse nur entstehen kann, wenn
sich genügend Teilnehmer finden und dass die
Instrumentenauswahl nicht beliebig ist. Das ist begründet in
der Vorgabe bzw. im Wort „Bläserklasse“
selbst. Eine Bläserklasse ist ein Orchester. Und ein Orchester
ist nur dann ein Orchester, wenn es eine genügende Anzahl an
Mitgliedern und eine ausgewogene Besetzung hat. Die Verteilung der
Instrumente muss passen. Das Verhältnis zwischen Holz und
Blech sowie zwischen hohen und tiefen Instrumenten muss stimmen.
Der Eingang der Anmeldungen verlief anfangs etwas schleppend. Kurz vor Anmeldeschluss wurde die Mindestteilnehmerzahl erreicht und kurz danach -mit den letzten Anmeldungen- von ganz alleine eine sehr gute Mischung aus Holz und Blech, aus hoch und tief. Jedes Kind kann sein Lieblingsinstrument erlernen.
Start der Bläserklasse am 1.Oktober
Mit den
letzten Anmeldungen begann dann ein wichtiger Teil der
Arbeit für den Verein. Die Instrumente mussten besorgt werden,
Ausbilder für die verschiedenen Register, Termine für
die Register- und die Gesamtprobe.
Am Dienstag, den 29. September war es dann soweit. In
einem
Klassenzimmer fand ein Elternabend zur Information und die
Instrumentenübergabe an die Kinder statt. Ortsvorsteher Thilo
Schramm und Schulrektor Felix Rombold zeigten sich erfreut
über das Zustandekommen dieser Kooperation zwischen
Grundschule und Musikverein und wünschten dem Projekt alles
Gute. Nach den noch nötigen Formalitäten ging es dann
auch gleich zum Hauptteil über: die Übergabe der
Instrumente.
Die Ausbilderinnen und die sonstigen Anwesenden vom Verein hatten alle
Hände voll zu tun, jedem Kind sein Instrument zu geben, zu
erklären und die wichtigsten Umgangsregeln nahezubringen.
Dabei kamen
dann bereits die ersten praktischen Themen und
Fragen auf. Wie und wo werden die Instrumente während des
Schulvormittags gelagert, wie kommen die Kinder und die Instrumente in
den Probenraum (Sängerraum der Beinsteiner Halle). Kann man
eine Registerprobe vielleicht nicht auf einen anderen Tag legen oder
etwas verschieben, usw.?
Zur ersten Gesamtprobe der Bläserklasse trafen sich alle dann zwei Tage später am 1. Oktober in der Beinsteiner Halle bzw. zuerst in der Schule, um ihre Instrumente aufzunehmen und gemeinsam rüber zu laufen. Bei diesem ersten Mal ging es hauptsächlich noch um die allgemeinen Dinge: Wo wird ausgepackt und wo werden die Schulsachen abgelegt, wie ist die Sitzordnung, wer darf wann reden und wer ist der Chef / die Chefin. Regeln und Verhaltensregeln, die das gemeinsame Zusammenspiel ungemein erleichtern, überhaupt erst möglich machen und für ein geordnetes Miteinander nötig sind.
Normaler Übungsbetrieb
Jeden
Donnerstag treffen sich seitdem die Kinder nach Ende der
5. Schulstunde um 12.05 Uhr holen sich ihre
Instrumente, die am Morgen
in einem Zimmer eingeschlossen worden waren und gehen mehr oder weniger
gemeinsam rüber in den Sängerraum der Halle.

Dort legen sie ihre Schulsachen ab und packen Notenständer, Instrumentenständer und Instrument aus und richten sich ihren Platz ein.
Sobald alle
sitzen, kann die Probe beginnen. Wie in anderen
Orchestern auch, wird zuerst etwas Bekanntes zum Einspielen gemacht und
danach ein neues Stück einstudiert oder wird Bekanntes
vertieft und verbessert. Die Aufmerksamkeit und Konzentration der
Kinder ist nach einem langen Schulvormittag manchmal nicht mehr die
beste, so dass doch gelegentlich der Geräuschpegel ein wenig
hoch ist.
Die Registerproben (Gruppenunterricht) bei den verschiedenen Ausbilderinnen finden an unterschiedlichen Nachmittagen statt. Dort werden in Zweier- oder Dreiergruppen die Lieder, die in der Gesamtprobe begonnen wurden, noch einmal geübt und auf die Stimmung und das Zusammenspiel innerhalb des Registers geachtet. Das wird später noch interessanter, sobald Mehrstimmigkeit eingeführt wird.
Für die nahe Zukunft ist zu wünschen, dass sich die Routine der Gesamtprobe bei den Kindern einprägt, so dass mehr Zeit für die eigentliche, effektive Probenarbeit bleibt. Das Aus- und Einpacken, das Einrichten des Platzes sollte geübter und damit etwas zügiger vonstatten gehen. Dass geschwätzt und geblasen wird, während die Dirigentin irgendetwas erklärt, gehört wohl dazu und lässt sich nicht vermeiden; Es wäre zu wünschen, dass sich diese Angewohnheit auf ein Mindestmaß reduziert.